1848/ 1849:
Revolution und Nationalversammlung:
Daten zur Chronologie (siehe auch: Zeittafel:
19. Jahrhundert)
Vorgeschichte / Restaurationszeit
und Vormärz:
Chronologie zu einigen
Ereignissen der Restaurationszeit; und zu den liberalen, demokratischen und
nationalen Bewegungen
(kursiv die Ereignisse
im Gebiet Baden, Württemberg, Hohenzollern):
1815: Wiener Kongreß;
Neuordnung Europas
1818: Badische Verfassung,
liberalste in Deutschland
1819: Verfassung im Königreich
Württemberg
1819: Karlsbader Beschlüsse;
reaktionäre Unterdrückung
1830: Julirevolution in
Paris
1832:
Hambacher Fest: liberal-demokratische Kundgebung
[Bild (Briefmarke BRD, 1982): 150
Jahre Hambacher Fest; Zug 1832 auf Schloss Hambach]
[Entwurf der Briefmarke: Karl Oskar Blase] 1833: Nach dem Hambacher
Fest Verbot aller politischen Versammlungen
auch in Baden und Württemberg
1834: Gründung des
Deutschen Zollvereins
1837: "Göttinger Sieben":
7 Göttinger Professoren (unter ihnen G.Gervinus, J.und W. Grimm )protestieren gegen die
willkürliche Aufhebung der liberalen Verfassung durch den König von Hannover und
werden dafür entlassen und z.T. des Landes verwiesen.
[Hinweis auf eine neuere
BRD-Briefmarke,
erschienen
2012): 175 Jahre
Göttinger Sieben; Portraits der 7 Göttinger
Professoren, die 1837 gegen die Aufhebung der liberalen Verfassung durch den
König von Hannover protestierten und dafür entlassen wurden und z.T. aus dem
Land verwiesen wurden: die Professoren Gervinus, Albrecht, Ewald, Dahlmann,
Weber, W.Grimm, J.Grimm] [Entwerfer der Briefmarke: Stefan Klein und Olaf
Neumann]
1844: Weber- Aufstände
in Schlesien
1844: Herweghs
"Gedichte eines Lebendigen"
1846: Mißernten
und Hungersnöte in Süddeutschland
12. 9.1847: Offenburger
Versammlung der Demokraten;
13 Offenburger Forderungen
10.10.1847: Heppenheimer
Versammlung der Liberalen
1848:
Revolutionen und Reaktionen in Europa
(kursiv die Ereignisse
in Baden und Württemberg)
12. 1.1848: Aufstand in Italien,
zuerst in Palermo
22..2.1848: Beginn der Revolution
in Frankreich, Paris
23. 2.1848: Kommunistisches
Manifest (Marx, Engels)
27. 2.1848: Volksversammlung
in Mannheim:
Formulierung der Märzforderungen (Hecker,
Struve)
02. 3.1848: Volksversammlungen
in Stuttgart + Tübingen
05. 3.1848: Heidelberger
Versammlung: für Vorparlament
09. 3.1848: Liberales
Märzministerium in Baden
09. 3.1848: Liberale
Märzminister in Württemberg (Römer)
13. 3.1848: Beginn des Aufstands
in Wien
15. 3.1848: Märzrevolution
in Ungarn
15. 3.1848: Märzrevolution
in Polen
18. 3.1848: Märzrevolution
in Berlin
[Bild (Briefmarke DDR, 1953): Deutsche Patrioten
- Revolution 1848: Barrikadenkampf während der Revolution 1848 auf den Straßen
in Berlin.]
[Entwurf der Briefmarke: K.Eigler und K. Bade]
20. 3.1848: Abdankung König
Ludwig I. von Bayern
31. 3.1848: Vorparlament
tagt in Frankfurt
12. 4.1848: F. Hecker
ruft in Konstanz die Republik aus
20. 4.1848: Heckers Truppen
bei Kandern geschlagen
23. 4.1848: G. Herweghs
"Deutsche Legion"
27. 4.1848: Niederlage
Herweghs bei Dossenbach
01 5.1848: Wahlen zur
deutschen Nationalversammlung
18. 5.1848: Deutsche Nationalversammlung
in Frankfurt
[Hinweis auf eine neuere BRD-Briefmarke,
erschienen 1998): 150 Jahre
Nationalversammlung in Frankfurt, 150 Jahre Paulskirchenverfassung;
Eröffnungssitzung der Nationalversammlung am 18.5.1848 in Frankfurt] [Entwerfer
der Briefmarke: Wulff, Ingo] 29. 6.1848: Erzherzog Johanns
Wahl zum Reichsverweser
03 7.1848: Dt. Nationalversammlung
berät Grundrechte
31, 7,1848: Revolution in
Rumänien
21. 9.1848: Gustav Struve
ruft in Lörrach die Republik aus
24. 9.1848: Gottlieb
Rau
ruft zum "Zwetschgenfeldzug"
02.12.1848: Franz Josef wird
Kaiser von Österreich
27.12.1848: Nationalversammlung
verabschiedet die
Grundrechte
31.12.1848: König
Wilhelm I. von Württemberg stimmt der
Einführung der Grundrechte zu
1848: Bundesstaat Schweiz
1848: Revolution in der
Tschechei
1848: Verfassung der Niederlande
1849:
Revolutionen und Reaktionen in Europa
28. 3.1849: Friedrich Wilhelm
IV., König von Preußen, von
Nationalversammlung zum Erbkaiser gewählt
03. 4.1849: Friedrich Wilhelm
IV. lehnt die Kaiserkrone ab
14. 4.1849: Anerkennung
der Reichsverfassung durch
Württemberg und andere Kleinstaaten
12. 5.1849: Offenburger
Volksversammlung
Mai 1849:
Aufstände in Baden und der Pfalz;
Volksvereine und Militär tragen den Aufstand;
Provisorische Regierung unter L. Brentano;
Großherzog Leopold flieht ins Elsaß
Mai 1849: Aufstand
in Sachsen / Dresden
(mit R. Wagner, G. Semper)
06. 6.1849: Nationalversammlung
geht nach Stuttgart
18. 6.1849: Rumpfparlament
in Stuttgart von Truppen
Württembergs gewaltsam aufgelöst
23. 7.1849: Rastatt
ergibt sich den preußischen Truppen
Scheitern der Badischen Revolution
Juli 1849:
Hinrichtungen und Emigration
vieler Zehntausender
vor allem aus Baden (z.B. Emigration von G. Struve und C. Schurz nach Amerika;
s. rechte Spalte) |
1848/ 1849:
Revolution und Nationalversammlung:
Ereignisse, besonders in Baden und Württemberg
(Datenübersicht s. linke Spalte):
Die
Märzrevolution von 1848 und die Paulskirchen- Nationalversammlung
hatte bahnbrechende
Vorläufer vor allem in Baden:
In Offenburg
wurde in der Offenburger Versammlung im Gasthof Salmen am 12.9.1847 von
G. Struve und F. Hecker ein Programm der radikalen Demokraten mit den 13
Offenburger Forderungen vorgestellt und verabschiedet.
In Mannheim
gab es im Februar 1848 nach der Französischen Revolution von 1848eine große Volksversammlung, wieder unter der Führung von Friedrich
Hecker und Gustav Struve. Hier wurden die liberalen und demokratischen
und nationalen Märzforderungen formuliert: Pressefreiheit, Volksbewaffnung,
Herstellung eines deutschen Parlaments.
In Heidelberg
fand im März 1948 eine Versammlung statt, in der das "Vorparlament"
zur Frankfurter Nationalversammlung geplant wurde. Hier waren die Liberalen
um K.T. Welcker tonangebend.
Noch
bevor die Frankfurter Nationalversammlung im Mai 1848 zusammentritt, ruft
Friedrich Hecker am 12.4.1848 in Konstanz
die Republik aus. Er und seine kleine Soldatenschar wird am 20. 4. bei
Kandern
in Südbaden geschlagen. Hecker muß nach Amerika emigrieren.
[Bild (Sonderstempel 1998):
Portrait Friedrich Hecker]
Eine "Deutsche Legion", mit
der Georg Herwegh, unterstützt
auch von seiner Frau Emma Herwegh, von Frankreich aus in den Kampf
eingreifen will, wird im April 1848 bei Dossenheim in Südbaden geschlagen.
An der Nationalversammlung
in Frankfurt nehmen aus Baden und aus Württemberg bekannte Professoren
und Politiker teil: Aus Württemberg u.a. L. Uhland,
F.
Römer, P. Pfizer, F.T. Vischer, W.Zimmermann;
aus Baden K.T. Welcker, F.D. Bassermann, G.G.
Gervinus, L. Brentano.
Eines der wichtigsten Ergebnisse
der Frankfurter Nationalversammlung war die Verabschiedung der Grundrechte,
die zum Vorbild bis zum Grundgesetz der BRD von 1949 wurde. (Allerdings
umfasste die postulierte Freiheit und Gleichheit noch kaum die Frauen,
die Arbeiter und die Juden.)
Die Radikalen Demokraten
waren in der Nationalversammlung eine kleine Minderheit; einige hatten
sich ganz verabschiedet.
Im
September 1848 macht G. Struve außerparlamentarisch
einen weiteren radikalen Versuch und ruft in Lörrach
die deutsche Rapublik aus. Auch dies scheitert. Struve wird bei Staufen
gefangen und in Bruchsal inhaftiert. Auch er emigriert später nach
USA.
[Bild (Sonderstempel 1998
zur Badischen Revolution): Portrait Gustav Struve; Ausrufung der Deutschen
Republik 1948 in Lörrach]
Nach
dem Scheitern der Nationalversammlung, der Ablehnung der Reichsverfassung
in Baden und nach der gewaltsamen Auflösung des "Rumpfparlaments"
in Stuttgart im Juni 1849 erfaßt die badische Revolution das
ganze Land. Träger der Revolution sind die Volksvereine und das Militär.
Großherzog Leopold flieht ins französische Elsaß und ruft
die Preußen zu Hilfe, die mit starkem Truppeneinsatz das badische
Volksheer besiegen. Im Juli 1849 muss sich Rastatt,
letzte Bastion der Volksbewegung, den preußischen Truppen ergeben.
Die Revolution ist gescheitert. Viele Tausende werden hingerichtet oder
müssen emigrieren.
[Bild (Briefmarke Baden, 1949): 100-
Jahr- Feier des Freiheitskampfes um Rastatt unter Führung von Carl Schurz; Carl
Schurz vor dem Rastatter Schloss.- Nach der Emigration in die USA wurde Carl Schurz
Politiker in verschiedenen Funktionen, u.a.1977 Staatssekretär des Inneren
in den USA.]
[Entwurf der Briefmarke: V.K. Jonynas] In Württemberg
gab es keine vergleichbare revolutionäre Bewegung. Es gab wohl lokale
Versammlungen, Vereinsgründungen, Proteste. Es gab auch den kleinen
Revolutionszug, den Gottlieb Rau im September
1948 in Rottweil zusammenrief. Sonst lief es in Württemberg in "geordneteren"
Bahnen. Grund dafür ist wohl einmal die politische und religiöse
Sozialisation der Württemberger. Grund für die andere Entwicklung
war aber auch die geschickte Taktik des Württembergischen Königs
Wilhelm I.: Er hatte im März 1848 die bisherigen Oppositionsführer
(F. Römer, P. Pfizer) als liberale Märzminister
in die Regierung berufen. Er setzte liberale Pressegesetze wieder in Kraft.
Er anerkannte auch - als einziger der größeren Fürsten
in Deutschland - die von der Frankfurter Nationalversammlung beschlossene
Reichsverfassung. Dies und die Bildung des liberalen Ministeriums verhinderte
wohl größere revolutionäre Erhebungen.
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Weitere Web-Informationen: Fachinformationsführer Geschichte:
Links zur Revolution 1848 / 1849:
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/gesch/blic1848.htm
Literaturhinweis:
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
(Hg.):
1848 / 49. Revolution
der deutschen Demokraten in Baden. (Begleitband zur Landesausstellung
1998) Nomos-Verlag 1998 |