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Kunst
und Künstler (Malerei und Plastik) in / aus Südwestdeutschland
Der Artikel ist auf 3 Sites aufgeteilt: "Kunstgeschichte 1" (Von der Steinzeit bis zum Ende des Mittelalters), "Kunstgeschichte 2" (16.-18.Jhdt.) und "Kunstgeschichte 3" (19. und 20. Jhdt.) (siehe den Überblick links mit Links). Kunst und Künstler im16. Jahrhundert: Spätgotik, Renaissance Die bedeutenden Künstler,
die zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus oder in Südwestdeutschland
gewirkt haben, lassen sich meist nicht klar und eindeutig der Spätgotik
oder der Renaissance zuordnen. Renaissance hat sich in der Malerei in Deutschland
kaum zu einer eigenen Stilrichtung entwickelt - dazu waren schon bald die
Glaubenskämpfe im Gefolge der Reformation zu bestimmend.
- Martin Schaffner (+ 1538), Gregor Erhardt (+ 1540), Hans Daucher (+ 1538), alles bedeutende Vertreter der Ulmer Schule. - Veit Stoß aus Horb am Neckar (+ 1533), der große Bildschnitzer, der vor allem in Krakau und Nürnberg wirkte.
[Bild: 2 Altartafeln des Herrenberger Altars von Jerg Ratgeb, der jetzt in der Staatsgalerie Stuttgart steht.] [Vergrößerung durch Anklicken des Bildes.] Ein ausführlicherer Artikel zur Biographie Ratgebs und zum Herrenberger Altar s. bei Jerg Ratgeb und der Herrenberger Altar. Wichtig für die Kunst: Durch die Entwicklung des Holz-und Kupferstichs entfaltete sich die Graphik und die Verfielfältigung von Bildern. Ebenso war durch die Erfindung des Buchdrucks die Reproduktion auch von Kunstwerken in größerer Zahl möglich. - Eine Folge ist die Verwendung von Kunst auch in kritischer politischer Funktion: Das 16. Jahrhundert ist voll von Graphiken zu allen möglichen moralischen, sozialen, politischen und sonstigen Themen.
[Bild (Block DDR, 1975):
450. Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges 1525: Holzschnitte mit Bild vonThomas Müntzer, Bauern in verschiedenen Situationen, revolutionäre
Bauern; Bundesordnung der Christlichen Vereinigung Oberschwabens (Augsburger
Druck, 1525 u.a.)]
Für die Kunstentwicklung zumindest in Württemberg spielt ein Ereignis im Jahr 1537 eine erhebliche Rolle: Mit der Einführung der Reformation in Wirtemberg erging durch Herzog Ulrich 1537 die Aufforderung zum Bildersturm und zur Zerstörung der Bilder und Skulpturen in den Kirchen. Viele Kunstwerke wurden damals vernichtet. - Über das Jahr 1537 hinaus zeigt diese Aktion etwas von dem gespannten Verhältnis des Protestantismus zur bildenden Kunst: Der Protestantismus ist mit seiner Wort-Zentrierung häufig eher un-sinnlich. Und diese distanzierte Haltung auch zur Kunst wurde zumindest in Alt-Württemberg mit der Herrschaft des Pietismus noch verstärkt. Bildende Kunst hatte in Zukunft nur noch eine Chance in einigen Reichsstädten; in den katholischen Gegenden (wie Oberschwaben oder Vorderösterreich), in Baden und in der Kurpfalz an den Residenzhöfen; in Württemberg an den Residenzen in Stuttgart und Ludwigsburg. |
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Kunst und Künstler
im 17./18. Jahrhundert:
Barock, Rokoko, Klassizismus
Von den Künstlern des Frühbarock in Südwestdeutschland sind vor allem 3 zu nennen: - Jörg Zürn aus Waldsee gilt als Meister der frühbarocken Bildschnitzerei am Bodensee. Sein Hauptwerk ist der von 1613 - 1618 geschnitzte Hochaltar im gotischen Münster St. Nikolaus in Überlingen. - Leonhard Kern, der 1588 in Forchtenberg in Hohenlohe geboren ist und der lange in Schwäbisch Hall gewirkt hat, gilt als einer der wichtigen Bildhauer Deutschlands im 17. Jahrhundert. Ein Beispiel seiner Kunst ist die Elfenbeinskulptur "Die Vertreibung aus dem Paradies" von 1640. -
Melchior
Gelb ist ein Goldschmied und Bildhauer aus jener Zeit, geboren 1581
in Ulm. Als Beispiel seiner Kunst ist der "Silberne Tischbrunnen" philatelistisch
belegt.
Wenn man die Zeit nach dem Grauen des 30-jährigen Krieges, die Zeit ab etwa 1648 als Hochbarock bezeichnet, so ist erst einmal verständlich, dass die Kunstproduktion seit 1648 nur sehr zaghaft wieder begann. ![]() [Bild (Marke UdSSR, 1983): Johann Heinrich Schönfeld: "Der Raub der Sabinerinnen", um 1670, jetzt in der Eremitage in St. Petersburg] . - Matthias Rauchmüller, Bildhauer aus Radolfzell, hat 1681 die Skulptur des Hl.Nepomuk für die Karlsbrücke in Prag entworfen, das Urbild aller späteren Nepomuk-Figuren. - Als dann in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts vor allem in Oberschwaben die gigantische Kirchen- und Klösterbauzeit begann, wurden als Künstler zur künstlerischen Ausgestaltung der Kirchen meist "Gastarbeiter" von außen geholt: aus Bayern, Italien, Österreich.
[Bild (Briefmarke BRD, 1984): 850. Todestag von Norbert von Xanten; Chorgestühl- Skulptur Norbert von Xantens in der Kirche St. Verena, Rot an der Rot (1693)] [Entwurf der Briefmarke: Wiese]
Ab etwa 1700, Zeit des Spätbarock, sind in den neu gebauten Residenzen und Kirchen weiter Künstlern aus anderen Ländern tätig: - Egid
Quirin Asam, der bedeutende Barockmaler aus Bayern, wirkt in Mannheim
(wo er 1750 auch stirbt); [Bild
(Briefmarke Berlin, 1967): J.A. Feuchtmayer: "Madonna", um 1740, aus einem Altar
in Salem; jetzt im Museum Berlin- Dahlem] An Barockkünstlern, die aus Südwestdeutschland stammen, sind zu nennen: - der Bildhauer Paul Egell aus Mannheim, der seit 1721 Hofbildhauer in Mannheim ist; - der Bildhauer Johann Baptist Straub. (Straub ist geboren in Wiesensteig, was damals nicht zu Wirtemberg gehörte, sondern zur Kurpfalz/Bayern.). - Straub war nach seiner Ausbildung in Wien seit 1734 Hofbildhauer in München. Neben seinem Schüler Ignaz Günther gilt er als bedeutendster Meister des Spätbarock / Rokoko in München und Oberbayern; - der Goldschmied Johann
Melchior Dinglinger, der aus Biberach stammt und seit 1698 Hofjuwelier
August des Starken in Dresden war. Er gilt als einer der bedeutendsten
Goldschmiede des Spätbarock. Seine Prunkwerke sind im "Grünen
Gewölbe" in Dresden gesammelt.
Als Rokoko wird häufig die Kunstrichtung zur Zeit der Aufklärung, etwa ab 1750, bezeichnet (wobei auch hier die Grenzen und Übergänge zwischen Spätbarock, Rokoko und Klassizismus fließend sind).
[Bild (Briefmarke BRD, 1976):
Straßenhändlerin mit Bijouterien und Kupferstichen; Porzellanfigur der
Porzellanmanufaktur Ludwigsburg, um 1765.] - Als bedeutender Bildhauer des Rokoko gilt Christian Wenzinger aus Ehrenstetten im Breisgau. Er wirkte seit 1745 in Freiburg, wo er 1797 starb. - Ferdinand Kobell und sein Sohn Wilhelm sind Maler aus Mannheim, die nach dem Umzug des Kurpfälzischen Hofs von Mannheim nach München vor allem in München wirkten.
[Bild
(Marke Österreich, 1974): 250. Geburtstag von Franz Anton Maulbertsch;
Maulbertsch: "Selbstportrait", um 1760]
Der bedeutendste Anstoss für den Klassizismus für die Kunst und die Künstler des ausgehenden 18. Jahrhundert in Wirtemberg kam durch die Gründung der Hohen Karlsschule durch Herzog Karl Eugen in Stuttgart (1770 bzw. 1775). Diese Schule/Hochschule war ja nicht nur eine militärische Drillschule sondern - in der damaligen Zeit ziemlich einmalig - auch eine Kunstakademie. Wichtigster Professor für den Kunstunterricht an der Karlsschule war Nicolas Guibal; später wurden einige ehemalige Karlsschüler zu Kunstprofessoren ernannt. Einige Maler und Bildhauer, die durch die Hohe Karlsschule mit geprägt wurden: - Philipp Friedrich Hetsch, der als bedeutender klassizistischer Portrait- und Historienmaler in Südwestdeutschland gilt. Er war Schüler und später Professor an der Hohen Karlsschule. - Johann Heinrich Dannecker, einer der bedeutendsten Bildhauer des Klassizismus in Deutschland. Auch er wurde später Professor an der Hohen Karlsschule. - Christian Gottlieb Schick erhielt seine erste Ausbildung bei Philipp Friedrich Hetsch an der Karlsschule. Seine ganzfigurigen Portraits (wie das Gemälde "Frau von Cotta" von 1802, das sich jetzt in der Staatsgalerie Stuttgart befindet) zählen zu den herausragenden Beispielen des deutschen Klassizismus. - Joseph Anton Koch, der aus Tirol stammt, war von 1785 - 1791 Schüler der Hohen Karlsschule. Auch er war in seiner ersten Schaffensphase vom Klassizismus bestimmt. Später wandte er sich immer stärker romantischen Wahrnehmungs- und Darstellungsweisen zu, vor allem in seinen eindrucksvollen Landschaftsbildern, die ihn zum wohl bedeutendsten Landschaftmaler des 19. Jahrhunderts neben Caspar David Friedrich ausweisen. - Heinrich Friedrich Füger aus Heilbronn war zwar nicht auf der Karlsschule, er hat aber 1765 bei Nicolas Guibal in Ludwigsburg studiert. Füger, der 1806 Direktor der Kaiserlichen Gemäldegalerie Belvedere in Wien wurde, gilt als einer der Wegbereiter des Klassizismus in Österreich. Von seinen Bildern waren seine Miniaturbildnisse besonders berühmt.
Von Friedrich Schiller,
den sie aus gemeinsamen Kindertagen in Ludwigsburg kannte, malte sie 1794
ein berühmtes Portrait, das jetzt im Schiller-Nationalmuseum in Marbach
zu finden ist.. [Fortsetzung: Kunstgeschichte Südwestdeutschland 19. und 20.Jahrhundert: siehe extra Site Kunstgeschichte 3][zurück zur Navigation und zum Seitenanfang] |
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